Kindern und Jugendlichen mit Dyskalkulie (Rechenstörung) wieder neues Zutrauen zu vermitteln, nach oftmals langen schulischen Misserfolgen, sehen wir im Fokus unserer Behandlung. Dazu gehören ein strukturierter, systematischer und integrativer Aufbau der Therapie. Diagnostische Ergebnisse und qualitative Fehleranalysen bilden das Fundament hierfür, darauf aufbauend werden die idealen Methoden und Materialien für die Therapie ausgewählt.

Ein wichtiges therapeutisches Grundprinzip ist das Arbeiten an der „Null-Fehler-Grenze“, bei dem die Aufgabenstellungen von der Therapeutin so ausgewählt werden, dass das Kind die Chance hat, kaum Fehler zu machen. So nimmt das Kind stetig Erfolgserlebnisse wahr und gewinnt wieder Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten. Dies ist gerade bei denjenigen Kindern relevant, die aufgrund anhaltender Misserfolge als Folge der Dyskalkulie das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten verloren haben. Durch den ansteigenden Schwierigkeitsgrad der Aufgabenstellungen werden die Kompetenzen im Bereich des Rechnens schrittweise erweitert.

Somit festigt der systematische Therapieaufbau nicht nur die Rechenfertigkeiten, sondern stabilisiert auch das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit des Kindes. Begleitende Interventionen zur emotionalen Entwicklung und den neuropsychologischen Basisfunktionen wie Aufmerksamkeit und Gedächtnis betten die Therapie ein. Ressourcenförderung und die Stärkung der Resilienz (Widerstandsfähigkeit) bilden die Grundlage unseres Therapieansatzes (siehe unser Therapiekonzept). 

Wir setzen uns zum Ziel, ein Selbstwirksamkeitsgefühl beim Rechnen zu entwickeln und den Anschluss an die schulischen Inhalte zu finden.  

Freude und Spaß werden durch spielerische Elemente und Rahmenhandlungen wie der Einsatz von Handpuppen, Verstärkerpläne sowie die positive therapeutische Beziehung gefördert. 

Rechentherapie
Der erste Schritt einer Therapie der Rechenstörung (Dyskalkulie) ist, die Angst vor Zahlen und Rechenaufgaben zu reduzieren, um anschließend mithilfe von kindgerechtem Material die Mengen- und Zahlenraumvorstellung aufzubauen. Dadurch ist es uns möglich, dem Kind Rechenoperationen schrittweise zu veranschaulichen, Verständnis und Einsicht in die Rechenschritte zu gewähren und ein inneres Vorstellungsbild von Mengen und Zahlen zu entwickeln. Ein entscheidendes Prinzip der Dyskalkulietherapie ist, auf den drei Ebenen "Handeln und Veranschaulichen - bildhaftes Symbolisieren - Abstrahieren" zu arbeiten. Das Verinnerlichen und Automatisieren des Gelernten sind dabei ebenso wichtig.

So werden die Rechenfertigkeiten des Kindes schrittweise verbessert und aufgrund des Erlernens neuer Bewältigungsstrategien ein Gefühl von Kontrollierbarkeit und Selbstvertrauen aufgebaut. Dabei wird die Therapie in Stufen systematisch aufgebaut. Immer wieder kommt eine neue Stufe hinzu, während das bereits Gelernte gesichert und gefestigt wird. Dies ermöglicht einen sicheren Aufbau und die Arbeit an der Null-Fehler-Grenze, die so wichtig in der Behandlung ist. Besonders wichtig ist auch der Transfer in das schulische und häusliche Umfeld. 

Um auch in diesem Setting Entlastung für das Kind zu erreichen und eine Transferleistung des Gelernten zu erzielen, sind Gespräche mit den Lehrkräften dabei von besonderer Bedeutung.