Die Therapie von Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS und ADS) erfordert ein umfassendes Therapiekonzept, das die individuelle Situation und die jeweiligen Problembereiche des betroffenen Kindes / Jugendlichen berücksichtigt. Bei den Aufmerksamkeitsstörungen gibt es drei Subtypen, die unterschiedliche Behandlungskonzepte erfordern. Dies kann entweder einzeltherapeutisch, im Rahmen einer therapeutischen Gruppe, wie z. B. dem neuropsychologischen Training “ATTENTIONER” (Dr. Jacobs) oder in einer Kombination dessen erfolgen.

Oberstes Ziel der Therapie von Aufmerksamkeitsstörungen ist die Verbesserung der Konzentrationsleistung und der Aufbau eines planvollen, überlegten Handlungsstils sowie die Reduzierung der erhöhten Ablenkbarkeit. Auch Ausdauer, Arbeitsgeschwindigkeit und Motivation sollten in den meisten Fällen trainiert werden. Wichtig sind dabei auch die Stabilisierung der emotionalen Situation, wie der Aufbau von Selbstvertrauen, die Verbesserung der sozialen Kompetenz und die begleitende Elternarbeit.

Einzeltherapie bei Aufmerksamkeitsstörungen

Anhand von diagnostischen Ergebnissen, Verhaltensbeobachtung, Eltern- und Lehrergesprächen werden die Problembereiche des Kindes / Jugendlichen erfasst und darauf basierend die Therapieziele gemeinsam mit den Eltern definiert.

Da Kinder mit ADS oder ADHS häufig anhaltende schulische Misserfolge sowie häufige Konflikte mit den Eltern, Lehrern und Gleichaltrigen erleben, sehen wir es als entscheidendes Ziel, den betroffenen Kindern geeignete Handlungskompetenzen zu vermitteln und ihre Ressourcen zu stärken. Somit ermöglicht der systematische Therapieaufbau nicht nur eine Verbesserung der Aufmerksamkeitsleistungen und somit bessere Chancen in der Schule, sondern stabilisiert auch die emotionale Situation und das Selbstvertrauen des Kindes.

Begleitende Interventionen aus den Bereichen der emotionalen und psychosozialen Entwicklung sowie der neuropsychologischen Basisfunktionen wie ein Gedächtnistraining sind daher von entscheidender Bedeutung, ausgewählt anhand der individuellen Bedürfnisse eines jeden Kindes. Die begleitende Elternarbeit und die Verbesserung der Interaktion sind dabei ebenfalls von besonderer Bedeutung.

Wir arbeite mit evaluierten, in der Praxis erprobten Therapieprogrammen von Döpfner (THOP und THAV), Lauth und Schlottke, Krowatschek (Marburger Konzentrationstraining) und Jacobs & Petermann (Attentioner-Training). In Abhängigkeit vom Therapieziel wählen wir die entsprechenden Materialien und Methoden aus.

Wir arbeiten mit einen etablierten Kinder- und Jugendpsychiatern zusammen, die die Diagnostik und weitere Behandlungsschritte übernehmen. In Kooperation mit diesen sichern wir eine bestmögliche Behandlung.

In vielen Fällen ist parallel oder aufbauend die Therapie der Aufmerksamkeitsstörungen in unseren Gruppen ganz besonders effizient.  

Attentioner-Training in Gruppen

Bei Problemen mit der Konzentrationsfähigkeit oder einem bestehenden AD(H)S ist es sehr effektiv, die Therapie in Kleingruppen gemeinsam mit anderen Kindern durchzuführen. Während eines Schulhalbjahres (ca. 15 Trainingsstunden) lernen die Kinder anhand des evaluierten, neuropsychologischen Trainingsprogramms „Attentioner“ (Dr. Jacobs, entwickelt an der Universität Bremen), ihre Aufmerksamkeit besser zu steuern und sich weniger ablenken zu lassen. Dabei werden Bereiche der selektiv-fokussierten (unwichtige Reize ausblenden und sich nicht ablenken lassen) und der geteilten Aufmerksamkeit (sich auf zwei relevante Reize gleichermaßen konzentrieren können) trainiert, ebenso wird die sogenannte Daueraufmerksamkeit verbessert. Die Kinder lernen eine planvolle, systematische Herangehensweise an Aufgabenstellungen und verbessern ihre innere Einstellung und Haltung während der Bearbeitung von Aufgaben. 

Begleitend werden die sozialen Kompetenzen gestärkt, denn die Kinder lernen, ein stabiles Team zu entwickeln, Fragestellungen gemeinsam zu lösen, Gesprächs- und Gruppenregeln einzuhalten und sich in der Gruppe stark und kompetent zu fühlen. Auch das Selbstvertrauen und das emotionale Befinden werden gestärkt, die eigenen Ressourcen werden gefördert.

Durch den Wettbewerbscharakter in der Gruppensituation macht es den Kindern sehr viel Spaß, am Training teilzunehmen. 

Trainingsinhalte des Attentioner-Trainings:

  • Verbesserung der Aufmerksamkeitsspanne sowie der Arbeitsstruktur
  • die eigene Ablenkbarkeit wahrnehmen und reduzieren lernen
  • relevante Informationen aufnehmen, Irrelevantes ausblenden lernen (selektiv-fokussierte Aufmerksamkeit)
  • Aufmerksamkeit auf zwei verschiedene Reize richten lernen (geteilte Aufmerksamkeit)
  • Transfer auf das schulische Setting
  • "Dranbleiben" und nicht zu schnell aufgeben lernen, • auch lange Aufgaben zu Ende bringen
  • Regeln akzeptieren lernen
  • Eigenverantwortung übernehmen
  • Selbstkonzept stärken, Ressourcenaktivierung
  • Emotionsregulation, Umgang mit Frustration
  • Entwicklung eines stabilen Teams innerhalb der Kinder
  • Einsatz von Verstärker- und Feedbackmethoden, Lernen von Verhaltens- und Gesprächsregeln
  • Ressourcenaktivierung und Selbstwertstärkung

Rahmenbedingungen:

  • zwei Therapeutinnen unseres Teams leiten die Gruppen
  • 15 Termine (je 75 Min.), zwei begleitende Elternabende  
  • Kosten: 5 Monatspauschalen zu je 128 Euro (15 Gruppenstunden sowie eine Einzelbehandlung oder Elterngespräch)
  • unter bestimmten Bedingungen übernehmen manche Jugendämter die Kostenübernahme

In unserem Aufmerksamkeitstraining werden Elemente des Marburger Konzentrationstrainings (Krowatschek) zur Verbesserung der Arbeitsstruktur und Arbeitshaltung verknüpft mit dem Attentioner-Training (Dr. Jacobs, Universität Bremen), in dem die Aufmerksamkeitssteuerung verbessert wird.

Literatur:
„Training für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen. Das neuropsychologische Gruppenprogramm ATTENTIONER“ (Dr. Jacobs, 2007)