Kindern und Jugendlichen mit Legasthenie wieder neues Zutrauen zu vermitteln, nach oftmals langen schulischen Misserfolgen, sehen wir im Fokus unserer Behandlung. Dazu gehören ein strukturierter, systematischer und integrativer Aufbau der Therapie. Diagnostische Ergebnisse und qualitative Fehleranalysen bilden das Fundament hierfür, darauf aufbauend werden die idealen Methoden und Materialien für die Therapie ausgewählt.

Ein wichtiges therapeutisches Grundprinzip ist das Arbeiten an der „Null-Fehler-Grenze“, bei dem die Aufgabenstellungen von der Therapeutin so ausgewählt werden, dass das Kind die Chance hat, kaum Fehler zu machen. So nimmt das Kind stetig Erfolgserlebnisse wahr und gewinnt wieder Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten. Dies ist gerade bei denjenigen Kindern relevant, die aufgrund anhaltender Misserfolge als Folge der Legasthenie das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten verloren haben. Durch den ansteigenden Schwierigkeitsgrad der Aufgabenstellungen werden die Kompetenzen im Bereich des Lesens und Rechtschreibens schrittweise erweitert.

Somit festigt der systematische Therapieaufbau nicht nur die Lese- und Rechtschreibfertigkeiten, sondern stabilisiert auch das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit des Kindes. Begleitende Interventionen zur emotionalen Entwicklung und den neuropsychologischen Basisfunktionen wie Aufmerksamkeit und Gedächtnis betten die Therapie ein. Ressourcenförderung und die Stärkung der Resilienz (Widerstandsfähigkeit) bilden die Grundlage unseres Therapieansatzes (siehe unser Therapiekonzept). 

Rechtschreibtherapie
Abhängig von der individuellen Kompetenzanalyse wählen wir in der Rechtschreibförderung den silbenorientierten Ansatz aus (wie LRS-Training mit Gustav Giraffe (Rosenlehner-Mangstl) oder den Ansatz nach Reuter-Liehr) oder den vokallängenorientierten Ansatz (Marburger Rechtschreibtraining). Verschiedenste ergänzende Materialen runden den Rechtschreibaufbau ab. Dabei wird die Therapie in Stufen systematisch aufgebaut. Immer wieder kommt eine neue Stufe bzw. neue Rechtschreibregel hinzu, während das bereits Gelernte gesichert und gefestigt wird. Dies ermöglicht einen sicheren Aufbau und die Arbeit an der Null-Fehler-Grenze, die so wichtig in der Behandlung ist. Besonders wichtig ist auch der Transfer in das schulische und häusliche Umfeld.

Lesetherapie
In der Leseförderung sind die Verbesserung der Leseflüssigkeit und die Reduktion von Lesefehlern besonders wichtig, ebenso wie ein verbessertes Lesesinnverständnis. Nach der Förderung der phonologischen Bewusstheit trainieren wir das Zusammenlauten (Synthetisieren) und rasche Erkennen von Buchstaben und Silben. Im nächsten Schritt wird die automatische direkte Worterkennung trainiert, mit der Wörter und Wortbestandteile als Ganzes erfasst werden können. Dies erweitert den Sichtwortschatz und fördert das flüssige Lesen. Die Erweiterung der Blickspanne und das Lesen von Sätzen und Texten erfolgen in einem nächsten Schritt. Oberziel ist die Entwicklung von Lesefreude und eigenständiger Lesekompetenz.
Wir verwenden verschiedene evaluierte und in der Praxis erprobte Therapiematerialien wie den Kieler Leseaufbau mit Begleitmaterialien, das Mildenberger Konzept, PotsBlitz, Lesen.Das Training und Materialien von Lingoplay, abhängig vom Alter und der Lesekompetenz des Kindes / Jugendlichen. 

Wir setzen uns zum Ziel, ein Selbstwirksamkeitsgefühl beim Lesen und Rechtschreiben zu entwickeln, damit das Kind sicher weiß, was es kann und dass es sich kompetent handelnd erleben kann.

Freude und Spaß werden durch spielerische Elemente und Rahmenhandlungen wie die Geschichte von Gustav Giraffe, Verstärkerpläne sowie die immer sehr positive therapeutische Beziehung gefördert.